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6B im Jüdischen Museum

Nach vier Unterrichtsstunden, die wir dem Thema Judentum gewidmet hatten – in denen wir uns mit der Geschichte und dem Schicksal des jüdischen Volkes, den Verfolgungen der Juden, der Bedeutung Jerusalems als heiliger Stadt der drei monotheistischen Religionen, der veränderten Haltung der katholischen Kirche zum Judentum seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sowie dem Mahnmal am Judenplatz auseinandersetzten – beschlossen wir, das Jüdische Museum am selben Platz zu besuchen.

Niemand der anwesenden Schüler:innen hatte dieses Jüdische Museum zuvor besucht, was diesen Lehrausgang umso spannender machte. Einige der Schüler:innen standen zum ersten Mal vor dem Mahnmal. Wir kamen etwa fünfzehn Minuten Eintritt ins Museum an. Die Zeit nutzten wir, um vor dem Holocaust-Mahnmal Fotos zu machen und die aufgelisteten Orte zu lesen, an denen 65.000 österreichische Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Auf dem Platz befand sich einst eine Synagoge, die bis 1421 bestand. Eine sechseckige Platte mit Inschrift kennzeichnet heute genau jenen Ort, an dem sich früher die Bima – das Podium für die Toralesung – befand.

In Absprache mit Frau Hannah Landsmann führten wir ein zweistündiges Workshop-Programm durch. Frau Landsmann führte uns sofort in das Untergeschoss des Platzes, wo sich die Überreste der mittelalterlichen Synagoge befinden. Den Schüler:innen gab sie fünf Aufgaben, auf die sie in diesem Bereich Antworten finden sollten. Anschließend berichtete sie auf sehr interessante und eindrucksvolle Weise anhand eines Stadtmodells über das Leben der jüdischen Gemeinde – über den Alltag, Berufe, religiöse Rituale, Feiertage, archäologische Funde und Grabdenkmäler mit hebräischen Inschriften. Die ganze Zeit über bemühte sie sich, die Schüler aktiv einzubeziehen, was ihr voll und ganz gelang.

Durch den Workshop und die Führung hat Frau Landsmann die Geschichte der jüdischen Gemeinde für uns lebendig und greifbar gemacht. Am Ende gab sie den Schülerinnen den Auftrag, das Museum zu erkunden, ein Objekt ihrer Wahl zu fotografieren und anschließend zu begründen, weshalb sie sich gerade dafür entschieden haben.

Der Besuch des Jüdischen Museums war eine äußerst bereichernde und eindrucksvolle Erfahrung, die den Schüler:innen nicht nur ein tieferes Verständnis für die Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinde vermittelte, sondern ihnen auch eindrücklich vor Augen führte, wie wichtig es ist, sich an die Verfolgung des jüdischen Volkes, an das Schicksal der Opfer und an die verheerenden Folgen von Intoleranz und Diskriminierung zu erinnern.

Text und Bild: Predrag Mijic

Mittelalterlicher jüdischer Grabstein

Livia Coll-Breitwieser & Emilie Grabher

Die Schülerinnen und Schüler der 6B, die den Religionsunterricht besuchen, waren am 20.11.2025 zu Besuch im Jüdischen Museum. Wir waren dort, um mehr über die Geschichte des Judentums und den früheren Umgang mit Menschen jüdischen Glaubens zu erfahren.

Dort sollten wir uns in Zweiergruppen ein ausgestelltes Objekt zum Beschreiben aussuchen, was in unserem Fall ein jüdischer Grabstein aus dem Mittelalter war.

Sein Aussehen entspricht einer alten Steintafel mit Gravuren – ähnlich wie Grabsteine, wie sie auch heute gestaltet werden. Im Mittelalter wurden jüdische Grabsteine eher schlicht gehalten, weshalb dieses Exemplar ein einfaches Design aufweist.

Grabstein mit hebräischer Inschrift für einen jungen Mann namens Ahron bar Baruch, 
der vermutlich 1349 an der Pest gestorben ist.
Wien, Jüdisches Museum - Judenplatz 8, 20.11.2025
Foto: Emilie Grabher

Grabstein mit hebräischer Inschrift für einen jungen Mann namens Ahron bar Baruch, der vermutlich 1349 an der Pest gestorben ist.
Wien, Jüdisches Museum – Judenplatz 8, 20. 11. 2025
Foto: Emilie Grabher

Der Kontext dieses Objekts – nämlich dass es einem Juden gehörte, welcher der Pest zum Opfer fiel – ist aus historischer Sicht ein wichtiger Beleg. Damals wurde behauptet, Juden hätten die Brunnen vergiftet und somit die Pest verursacht. Diese Anschuldigungen waren jedoch unbegründet, wie unter anderem der Umstand zeigt, dass auch viele Juden an der Seuche starben.

Dass insgesamt weniger jüdische Menschen an der Pest starben, wird unter anderem mit ihren strengeren religiösen Reinheits- und Hygieneregeln erklärt. Dies ist jedoch nur ein möglicher Faktor; die genauen Gründe sind historisch komplex.

Gerade wegen dieses historischen Beweises ist dieser Grabstein von großer Bedeutung. Noch heute gibt es Leute, die behaupten, dass Juden an allem Möglichen Schuld sind und noch heute kann man keiner ganzen Gruppe an Menschen Schuld für etwas zuweisen. Der Grabstein ist also eine gute Erinnerung dafür, dass auch in diesem Fall, der Pest, Juden nicht die Auslöser und Schuldigen, sondern nur die Sündenböcke waren.

Wir haben dieses Objekt ausgewählt, weil es uns zuerst ins Auge gestochen ist und anschließend einen interessanten historischen Hintergrund aufwies. Der Museumsbesuch diente nicht nur dazu, mehr zu erfahren, sondern vor allem dazu, sich besser vorstellen zu können, wie die jüdische Bevölkerung behandelt wurde. Aus Erzählungen kann man sich nur über einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes im Klaren sein, doch wenn man die Fragmente selbst sieht, wird vieles besser vorstellbar.