5C besucht die “World Press Photo 2022”-Ausstellung

Auch dieses Jahr wurden wieder die weltbesten Pressefotografien ausgewählt und ausgezeichnet, die in der Wiener Fotogalerie WestLicht zu besichtigen waren. Viele dieser Bilder sind nicht in den klassischen Printmedien zu finden, was vor allem daran liegt, dass etliche relevante Ereignisse in unseren Medien kein Thema sind oder nur als Kurzmeldung Erwähnung finden. Durch den Besuch der Galerie und durch die Auseinandersetzung mit den einzelnen Fotografie sollten sich die Schülerinnen und Schüler der 5C über diese globale Perspektive bewusst werden. Ihre Eindrücke sind im Folgenden festgehalten. (HEC)

SOUTH AMERICA, STORIES
The Promise
© Irina Werning, Pulitzer Center

Gräber unterm Regenbogen

Am Mittwoch, den 19.10.2022 besuchten wir die Ausstellung „World Press Foto.“ Kurz zusammen gefasst handelt es sich hierbei um einen Internationalen Wettbewerb bei dem Pressefotographen ihre besten Werke einreichen. Am meisten überzeugt hat jenes, welches Kanadierin Amber Bracken für die New York Times aufgenommen hat.

WORLD PRESS PHOTO OF THE YEAR Title: Kamloops Residential School © Amber Bracken, for The New York Times

Amber Bracken ist eine selbstständige Fotografin, die ihre Fotos primär in Amerika aufnimmt und sich mit verschiedenen Ethnien, Kulturen und zwischenmenschlichen Interaktionen beschäftigt. Am 19. Juni 2021 schoss sie in Kamloops, Kanada, das Foto, welches ihr die diesjährige Auszeichnung des „World Press Foto“ einbrachte. Auf dem Bild sind von Kreuzen, die entlang des Straßenrandes stehen, hängende Kleidungsstücke vor einem in wolkenverhangenem Himmel zu sehen. Im Hintergrund ein Regenbogen.

Das Foto von Bracken gehörte zu keinem, welches mir direkt ins Auge gefallen ist. Es ist unscheinbar. Und um ehrlich zu sein, habe ich mich gefragt, warum gerade dieses als „World Press Photo“ ausgezeichnet wurde. Beim Betrachten des Bildes habe ich nicht viel empfunden und mich nur sehr wenig dafür interessiert. Doch als ich dann erfahren habe, welche Geschichte Amber Brackens Werk eigentlich erzählt, konnte ich meine Augen nicht mehr davon ablassen. Denn das auf dem Foto gezeigte Motiv ist kein normaler Friedhof, es handelt sich hierbei um ein Andenken an das im Mai 2021 aufgedeckte Massengrab der „Kamloops Indian Residential School.“ Diese Schule war von 1890 bis 1969 ein katholisches Internat für Kinder indigener Abstammung, die sich die Umerziehung der Kinder, in christliche Bürger, zum Lebensinhalt gemacht hat. Eine Aufgabe, die das Leben tausender Kinder auf dem Gewissen hat.

Allein in Kamloops konnten 215 Kinderleichen gefunden werden, welche über die Jahre von den Mitarbeitern des Internats verscharrt worden sind- darunter Kinder im Alter von nur drei Jahren. Sie starben an Misshandlung, Krankheiten und Verwahrlosung. Das Foto minimiert die Geschichte auf einen Moment. Welchen Teil davon will es erzählen?

Mir persönlich vermittelt es die Erleichterung darüber, dass solche Gräueltaten nicht für immer verdeckt bleiben. Vor allem der Regenbogen im Hintergrund gibt mir das Gefühl von Frieden, der sich endlich über die Kinder und deren Familien legen soll.

Maria Agis

Die, die für ihre Kultur kämpften

Foto von Amber Bracken

Auf den ersten Blick hat das Bild keine große Ausstrahlung, doch es steckt eine lange Geschichte dahinter. Aufgenommen am 19. Juni 2021 zeigt das Foto rote-orangene Kleider, die an Kreuzen hängen. Das Foto wurde von Amber Bracken in Kanada aufgenommen. Es erinnert an Kinder, die in den Internatsschulen für nordamerikanische Indigene ihr Leben verloren. Es waren Einrichtungen, die weit verbreitet waren. Dabei handelte es sich in Wahrheit um Umerziehungscamps. Ureinwohner Amerikas, vor allem Kanadas, wurden dabei angelogen. Ihnen wurde erzählt, es seien Schulen, was für sie verlockend klang, da es großen Hass auf Indigene gab und diese wenig Ausbildungschancen hatten. In diesen Umerziehungscamps bekamen die Kinder neue Namen, meistens christliche. Ihren wurde auch die englische Sprache beigebracht, dabei durften sie kein einziges Wort mehr in ihrer eigenen Sprache sprechen, weil sie sonst bestraft wurden. Somit verlernten sie ihre Sprache. Sie wurden auch anders gekleidet, meistens in Kleider. Oft kam es dann zu Todesfällen, aufgrund schlechter Behandlung und Versorgung. Sie sollten sozusagen „aussterben“.

Ich finde die Geschichten echt traurig, meiner Meinung nach sollte man niemanden nach seiner Herkunft, seinem Aussehen, seiner Religion usw. beurteilen. Jeder soll leben, wie er will, doch leider war das früher für diese Kinder nicht möglich. Ich habe das Bild ausgewählt hauptsächlich wegen seiner starken Botschaft. Ich selbst würde das Foto „Die, die für ihre Kultur kämpften“ nennen. Die Kinder versuchten schließlich alles um zu überleben, doch vielen gelang es nicht.

Julia Orlicka

Mit Haut und vor allem mit Haar

Auf den ersten Blick ist es ein Foto von einem Mädchen mit kurzen Haaren, Schuluniform und einer stolzen Ausstrahlung. Wenn man sich aber genauer mit dem Bild von Irina Werning, entstanden in Buenos Aires, beschäftigt, steckt noch viel mehr dahinter, ein Mädchen, Antonella, das sich dazu entschieden hat sich die Haare erst schneiden zu lassen, wenn die Schulen wieder öffnen. Am 25. September 2021 tut sie genau das und lässt sich vor einer Universität fotografieren, denn Antonella strebt ein Ingenieurstudium nach ihrem Schulabschluss an. Nun fragt man sich, warum ich dieses Bild gewählt habe. Man könnte sagen, dass es eine schöne Geschichte ist, aber ich finde die Fotografin hat einen sehr emotionalen Moment festgehalten, ein Moment, der sehr motivierend ist für seine Ziele zu kämpfen und der auch ohne der durchaus schon sehr interessanten Hintergrund-geschichte mehr als tausend Worte sagt.

Anna-Lena Puljic

Copyright Irina Werning

Dankbarkeit?

Oft wird zwar gesagt, dass es vielen Menschen schlechter geht als einem selbst, jedoch will man das selten wahrhaben. Bei dem Foto sieht man aber ein konkretes Beispiel und leider ist dies kein Einzelfall. Es gibt sehr viele Menschen, denen es gerade nicht gut geht oder die nicht einmal ein Dach über dem Kopf haben oder unter schweren Bedingungen überleben müssen. Deshalb habe ich dieses Bild ausgesucht, da mir klar wurde, dass man dankbar sein soll für das, was man hat und dass es nicht selbstverständlich ist in einem Land wie Österreich aufzuwachsen.

Valentin Navratil-Wagner

Copyright Abriansyah Liberto

 

Seltsame Blüten

Copyright Yael Esteban Martínez Velázquez

Die Fotografie, die oben zu sehen ist, wurde von dem mexikanischen Fotografen -Yael Esteban Martínez Velázquez- aufgenommen. Er ist aus Guerrero, ist freiberuflicher Fotograf und fotografiert für „Magnum Photos“. Mit dem obigen Bild hat er in der „Nord- und Zentral- Amerika“ Kategorie gewonnen.

Der Mann, der auf dem Bild zu sehen ist, ist einer der ältesten Mixteken, der so wie viele andere den Berg Cerro de la Garza besteigen. Dort werden jährlich am 31.Dezember Rituale zum Gedenken an das Ende eines Lebenszyklus durchgeführt. So halten sie Tänze, Prozessionen und andere spirituelle Praktiken ab, um ihre Dankbarkeit gegenüber der Erde auszudrücken.

Auf dem Foto sind ebenfalls viel kleinen Einstichen zu sehen, die eine große Bedeutung haben. Sie symbolisieren den Prozess der Opium Gewinnung. Bei ihr wird die unreife Samenkapsel der Mohnblühte, mehrmals aufgekratzt und anschließend der getrocknete Milchsaft abgekratzt. Der Fotograf thematisiert hiermit den Kampf der indigenen Kleinbauern des Küstenstaats (und seiner Heimat) Guerrero. Die traditionelle Landwirtschaft wird seit den 1960er Jahren durch die neoliberale Wirtschaftspolitik geschädigt. Das führte dazu, dass die Bauern nicht mehr mit den ausländischen Exporteuren mithalten konnten und daher gezwungenermaßen auf den Anbau von Schlafmohn und Marihuana zurückgriffen. Dieser Umschwung der Wirtschaft hat die Struktur der Bauerngemeinschaft enorm verändert. Seit 1960 nimmt die Gewaltrate im Zusammenhang mit Drogen immer mehr zu. Die Landwirte sind gefangen zwischen krimineller Gewalt und einer Politik, die ihnen wenige bis keine wirtschaftlichen Alternativen bietet.

Während unserer Führung in der Galerie WestLicht ist mir dieses Bild ganz besonders im Kopf hängen geblieben, weil ich das Foto ausdrucksstark finde und mir die Umsetzung und Message des Bildes sehr gefällt. Mit Umsetzung meine ich das Aufkratzen des Bildes, um auch den Prozess der Opium Gewinnung zu thematisieren. Außerdem finde ich es sehr stark und mutig von dem Fotografen trotz des Gesellschaftszwangs dieses Problem mit einem Foto anzusprechen.

Lena Harasek

Gefakte Bilder

Diese beiden Bilder sind von Jonas Bendiksen 2021 gemacht worden. Das erste zeigt zwei Menschen mit „Anonymus“-Masken vor einem Spiegel stehen und das zweite zeigt einen Bären an einem Fluss . Jedoch sind die Fotos nicht echt, sondern mit dem Computer generiert. Die Menschen und der Bär sind mit 3D-Modellierprogrammen digital hergestellt worden. In einer nordmazedonischen Stadt hatte der Fotograf den Raum bzw. den Ort fotografiert und diese dann später in computergenerierte Modelle umgewandelt.

Ich habe diese Fotos ausgewählt, da ich erstaunt bin, wie realistisch mit dem Computer gefälschte Bilder wirken können. Bisher hatte ich so etwas noch nie gesehen.

Enzo Schachermayer

Copyright Jonas Bendiksen
Copyright Jonas Bendiksen

Alle Fotos dürfen mit freundlicher Erlaubnis der Galerie WestLicht unter Nennung der Fotografinnen und Fotografen auf der Homepage für nicht kommerzielle Zwecke veröffentlicht werden.