angsteinflößend – verstörend – dunkel

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Die vierten Klassen waren am 23. Mai auf Lehrausgang im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen. Wie junge Menschen diese Erfahrung verarbeiten können, möge der folgende Text zeigen, der aus Reflexionen von Schüler*innen der Klasse 4B zusammengestellt ist. Ich danke den Schüler*innen, dass sie in sich gegangen sind und ihre Gedanken notiert haben. (hub)

Von weitem sah das Gelände aus wie ein Industriegebiet und nicht wie ein Konzentrationslager, und als wir uns genähert hatten, sah ich die unheimlich große und unfreundlich aussehende Festung, die von den damaligen Medien als “schöner Ort” dargestellt wurde.

Das Ungewöhnlichste war, dass ein Todesort für Tausende ein Vergnügungsort für die SS-Leute sein konnte. So gab es vor den Mauern ein Schwimmbecken und einen Fußballplatz.

Es haben sogar Leute bei Spielen zugesehen und nicht einmal mitbekommen, dass neben ihnen ein Ort der Qualen war. Es ist unvorstellbar, dass die Leute, die Fußballspiele des FC SS Mauthausen angesehen haben, nicht die Lager der russischen Kriegsgefangenen bemerkt haben sollen, welche nur etwa fünf Meter vom Fußballfeld entfernt standen.

Wir gingen weiter zur Todesstiege. Dort war ich zutiefst geschockt, als ich mir vorstellte, wie die Insassen dort arbeiten mussten und aufgrund dieser harten Arbeit sogar starben. Es machte mich betroffen, dass im Steinbruch Zwangsarbeiter auf offener Fläche und vor den Augen anderer Gefangener und sogar nebenan wohnender Zivilisten erschossen wurden. Es ist irgendwie unvorstellbar, dass diejenigen, die nicht sofort tot waren, blutend bei der Todesstiege liegen geblieben sind.

Als wir durch das imposante Eingangstor schritten, konnte ich nachfühlen, wie es war, ein Insasse dieses grauenhaften Ortes zu sein. Wir gingen als erstes in die “Waschküche” und an der Wand waren viele Namen von Gefangenen als Graffiti zu sehen.

In den Wohnbaracken habe ich nicht erwartet, dass das Lager zwar so groß ist, aber so wenig Platz für die Häftlinge war.

Am Ende der Führung durchschritten wir den Gedenkgang. Die Gaskammer, der Sezierraum und die Krematorien waren erschreckend. Das Schlimmste jedoch war, als wir in den “Raum der Namen” stiegen. Dort stehen über 80.000 Namen von verstorbenen Menschen; nur in diesem KZ. Beim Anblick dieser vielen Namen kamen mir die Tränen. Wenn man sich überlegt, was jeder einzelne dieser über 80.000 Menschen hier leiden musste, wird einem ganz anders. Dieser Raum war das Traurigste der Führung. Wie können Menschen so viele andere umbringen?

Dieses Lager stank nach Grausamkeit und Unterdrückung, und das hat – glaube ich – jeder von uns gemerkt und gespürt …