Wandmalerei „Letztes Abendmahl 2.0“ 8A

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WANDGEMÄLDE

„Das letzte Abendmahl 2.0“

3 x 4,5 m, Acryl auf grundierter Mauer, Gang 2. Stock, Schulgebäude BRG 18

KLASSE: 8A, 2016/17

Mitwirkende Schüler/innen: Katja A., Mario D., Martin H., Timon H., Leonard M., Julius M., Valentin M.,  Esther R., Tasnim S., Sophie S., Zeynep T.

Leitung: Mag. Nicole Krenn (BE)

Ein Meisterwerk der klassischen akademischen Kunst an der Wand einer normalen modernen Schule?

Dieser auf den ersten Blick augenscheinlich auftretende Widerspruch erscheint in einem anderen Licht, wenn die Thematik des letzten Abendmahls betrachtet wird. Denn sowohl die Neuinterpretation, als auch das Original behandeln immer noch aktuelle Thematiken wie Gemeinschaft, Dialog und Solidarität.

Einen geeigneten Ort zu finden gestaltete sich als ernstzunehmende Herausforderung. Einerseits musste genügend Platz zur Verfügung stehen um eine detaillierte Ausführung der Gesichter und anderer Feinheiten zu ermöglichen, andererseits sollte sich das Gemälde an einen stark frequentierten Ort befinden um eine der zentralen Thematiken aufzugreifen und nicht in einer Ecke verstauben. Als einzig idealer Ort erschien uns die Wand vor dem Chemiesaal. Nicht ganz ironiefrei fanden wir außerdem den Antagonismus zwischen dem ursprünglich streng religiösem Thema und der Seriosität der Wissenschaft. Viele kreative Eingebungen, wie wir Da Vincis Werk nach unseren Vorstellungen adaptieren könnten, entstanden in zum Teil hitzigen Diskussionen in denen jede/r Einzelne der Gruppe seine Meinungen und Vorstellungen überzeugend einbrachte. Die Vielfalt der Ideen ist sicherlich durch unser multikulturelles Umfeld beeinflusst worden.

Kompositionsgedanken:
Das historische Vorbild eines der letzten Universalgenies, strotzt nur so von Perfektion und Raumtiefe. Obgleich der Beschädigungen des Originalbilds, lässt sich doch die schiere Vollkommenheit der Gestaltungs- und Vorstellungskraft Leonardo da Vincis erkennen. Das Vorbild stellte also eine große Herausforderung für die Komposition der Neuauflage dar. Die Konstruktions- und Kompositionsprinzipien des Raumes entsprechen der historischen Vorlage, wenn auch eine Disparität zwischen der Wandgestaltung des Originals und der Neuauflage zu erkennen ist. Diese äußert sich in einer deutlich farbenfroheren und lebendigeren Gestaltung, die an die gemeinsam verbrachte Zeit in der Schule erinnern soll und unsere vielfältige und multikulturelle Gemeinschaft in Erinnerung behalten soll. Die verbindende Kraft und unser aller Hintergrund, wird noch
durch die Darstellung Wiens durch die Fensteröffnungen im Hintergrund verstärkt.

Trotz, wenn nicht sogar Aufgrund der sakralen Elemente, spiegelte das letzte Abendmahl eine sich öffnende Gesellschaft wieder. Auch wenn dem Christentum in der heutigen Zeit ein gewisser Konservatismus zugeschrieben wird, so war die Quintessenz der Predigten Jesus‘ zur damaligen Zeit revolutionär. Nächstenliebe in Zeiten der Sklaverei, Frieden in Zeiten der Feldzüge. Als weltoffene Europäer und Europäerinnen wollten wir ein Zeichen der Toleranz und Vielfalt setzen. In profanem Gewand ist unsere Klasse doch ein – wenn auch kleiner – Schmelztiegel Europas. Das gemeinsame Zusammenleben und -lernen, die Vereinigung von verschiedenen Religionen, Geschlechtern und Nationalitäten führt den Gedanken des gemeinsamen Brotbrechens nur konsequent fort.

Arbeitsprozess und Reflexion:

Entwurf: phtoshop motage

Nun begannen die eifrigen Vorbereitungen für dieses aufwendige Projekt. Um einen effizienten Arbeitsprozess aufrechtzuerhalten bildeten sich schnell Gruppen, die für spezielle Teilbereiche des Gemäldes verantwortlich waren.

Die wohl zu Beginn wichtigste Gruppe kümmerte sich um den detailgetreuen Entwurf. Dazu imitierten wir die einzelnen Posen originalgetreu und unsere begnadeten Photoshopartisten kreierten aus der Vielzahl von Fotografien eine Vorlage.

Mit viel Gespür und Witz schafften sie es auch schüchternen Schülern und Schülerinnen ihre Model- und Posingfähigkeiten zu entlocken. Wieder andere übernahmen Rechercheaufgaben und wählten Speisen aus aller Welt aus, die in die Collage übernommen wurden und das letzte Abendmahl so wahrlich zu einem Festmahl inszenierten.

Sobald wir unsere praktische Arbeit beginnen konnten, bildeten sich neue Gruppen. Einige waren für die Raumkonstruktion des Bildes verantwortlich, andere kümmerten sich um die Kreation der Seitenflächen und wieder andere schufen Gesichter, Hände und Personen. Durchaus verwunderlich war, dass unsere Arbeit in der Schule stets für positive Aufregung sorgte. Da wir einmal die Woche arbeiteten konnte jede/r Schüler/ jede Schülerin und Lehrer/Lehrerin den Fortschritt der Arbeit sehen. Wir hatten das Gefühl, dass Schüler und Schülerinnen unterschiedlicher Klassen und Schulstufen durch unser Bild ins Gespräch kamen und auch Lehrer und Lehrerinnen gerne darüber diskutierten. Einen Tag, nachdem das Bild fertig wurde, fand der Tag der offenen Tür statt, in dem das moderne Gemälde stolz präsentiert wurde. Die Besucher, sowohl die Eltern als auch die Kinder, waren begeistert von dem farbenfrohen Akzent in unserem sonst recht kahlen Schulhaus. Wir sind überzeugt davon, dass wir viele Besucher so für unserer Schule gewinnen konnten. Durch das Gemälde wird der Eindruck vermittelt, dass an unserer Schule nicht nur stures Auswendiglernen und perfekte Umsetzung von standardisierten Aufgaben gelehrt wird, sondern auch kreatives Denken, Arbeiten und Planen im Team optimal gefördert wird. Durch die tiefe Überzeugung, dass wir Teil einer sehr guten Schule und Schulgemeinschaft sind, sind wir außerordentlich stolz, dass es uns erlaubt war uns in diesem Schulhaus zu verewigen.

 

Persönliche Kommentare der SchülerInnen:

Besonders gefiel mir, dass wir alle während der praktischen Ausführung des Projektes gut miteinander ausgekommen sind. Zum ersten Mal seit langem kamen wir in den Genuss Musik zu hören während wir arbeiteten. Durch die vielen unterschiedlichen Musikvorlieben kam ein sehr unterhaltsamer und abwechslungsreicher Mix zusammen.Persönlich gefällt es mir immer neue Musikrichtungen und Bands zu entdecken, wodurch das Projekt umso erfreulicher machte. Es kam auch dazu, dass über einige Lieder gescherzt wurde, was die Stimmung noch weiter hob. Ich bin überzeugt davon ,dass sich einige Schüler und Schülerinnen sich noch besser kennenlernten, indem sie erfuhren welche Musik sie gerne hören. Auch durch die gespielte Musik kamen die Gespräche nie zum erliegen, was nach einigen Stunden arbeiten durchaus der Fall sein könnte.“

Wir bedanken uns bei Mag. Bineder, Mag. Mayr, Mag. N. Zedlacher und Direktor Brugger für ihre Unterstützung!